Integration fordern und fördern

Omars erstes Fluchtziel war nicht Deutschland, sondern der Senegal, das Nachbarland Gambias. Bis seine Existenz als Fischer vor der Westküste Afrikas durch große Fangflotten vernichtet wurde. Erst dann machte er sich auf den Weg nach Europa. Der junge Mann ist 2014 nach Deutschland gekommen und hat sich hier vom ersten Tag um Integration bemüht. Er hat mit Unterstützung des Freundeskreises angefangen Deutsch zu lernen und sich später im Rahmen des Projekts „We need you“ bei einem Aquaponik-Verein ehrenamtlich engagiert. Über sein freiwilliges Engagement hat er seinen jetzigen Arbeitgeber kennengelernt und eine eigene Wohnung gefunden. Seit sechs Monaten lebt er unabhängig von Sozialleistungen. Omar hat sich intensiv um Integration bemüht und viel erreicht – und ist trotzdem nicht endgültig in Deutschland angekommen.

Denn über seinen Asylantrag wurde bis heute noch nicht entschieden. Omars Antrag ist einer von über 500.000 liegen gebliebenen Asylanträgen. Seit mehr als zwei Jahren lebt er mit dieser Ungewissheit und muss trotzdem nach vorne schauen. Er weiß, dass die Anerkennungsquote für Flüchtlinge aus Gambia niedrig ist und hofft zumindest auf eine Duldung.

Sich in unsere Gesellschaft zu integrieren, ist für Flüchtlinge wie Omar besonders schwierig. Die Asylverfahren dauern Monate und Jahre und während der gesamten Zeit haben sie keinen Anspruch auf einen Integrationskurs. Zusätzlich erschwert die Unsicherheit über die Aufenthaltsdauer den Zugang zum Arbeitsmarkt.

Integration fordern und fördern – dazu gehören auch eine schnellere Bearbeitung der Asylanträge und Integrationskurse für Flüchtlinge wie Omar. Denn in der Realität bleiben viele Flüchtlinge für eine längere Zeit in Deutschland. Und selbst wenn sie irgendwann wieder in ihre Heimat zurückkehren müssen, ist eine Integration auf Zeit schon aus menschlichen Gesichtspunkten geboten.

 

 

 

 

 

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